Kreis-Reform
Info-Abend des Kreises 14 sorgte für großes Interesse
- 10.02.2011 - Peter Kuhlendahl / RGA-Online
Der Sache an sich grundsätzlich aufgeschlossen und positiv gegenüberstehend. Aber eine gewisse Skepsis bleibt, wenn es in die Details geht. So lässt sich das Fazit des Informationsabends des Fußballkreises Remscheid in Hinblick auf die geplante Strukturreform des Fußball-Verbandes Niederrhein (FVN) ziehen.
Peter Waldinger, FVN-Präsidiumsmitglied und Mitglied des Lenkungsausschusses, der elf Monate an der Reform gearbeitet hatte, referierte am Montag im Kreisjugendheim Am Hagen zum Thema und stellte sich anschließend den Fragen der Vereinsvertreter.Die waren zahlreich erschienen und durften vom Kreisvorsitzenden Henning Weber erfahren, dass sie die Vorhut für den gesamten Fußball-Verband Niederrhein seien. "Bei den Informationsabenden in den anderen Kreisen sind die Vereine außen vor geblieben. Mir ist sehr wichtig, dass alle von Beginn an am Dialog beteiligt sind", betonte Weber.
Dass aus dem Fußballkreis Remscheid vergleichsweise wenig Kritik zu erwarten sei, verhehlte Waldinger nicht: "Im Gegensatz zu anderen Kreisen bleibt Remscheid komplett zusammen. Der Kreis Moers soll zum Beispiel völlig auseinander gerissen werden." Und so bekamen die Vereinsvertreter zum ersten Mal offiziell präsentiert, welche Städte und Kreise "ihren" neuen Kreis bilden sollen. Neben dem kompletten Kreis Remscheid mit den Städten Wermelskirchen, Radevormwald, Hückeswagen und Burscheid kommen der komplette Kreis Solingen, die Hälfte des Kreises Wuppertal sowie Vereine aus Leichlingen und Leverkusen zusammen.
Im Mittelpunkt standen natürlich auch die Gründe, warum sich der FVN zum zweiten Mal nach 1993, damals waren die Veränderungen abgeschmettert worden, an eine Reform wagt. "Es ist zunächst einmal der Wunsch des DFB", sagte Waldinger, "die Reform ist Bestandteil des Fußball-Entwicklungsplans." Es gibt aber auch handfeste Gründe: "Mit mehr Vereinen kann ein Kreis ganz anders gegenüber Kommunen auftreten", erklärte Waldinger. Allerdings konnten sich dieser Argumentation die Vereinsvertreter nicht anschließen. "Es ist der Verwaltung in Solingen oder Wuppertal völlig egal, wenn es Probleme in Radevormwald gibt", hieß es.
Nicht von der Hand zu weisen, war indes die demographische Entwicklung. So gebe es zum Beispiel Prognosen, die aussagen, dass es im jetzigen Kreis Essen im Jahr 2015 30 Prozent weniger Nachwuchsfußballer im Alter von neun bis 19 Jahren geben wird. Mit der Reform würden auch zeitgemäße Strukturen geschaffen, die Arbeitswege verkürzt und die Bürokratie verringert. "Der Verband sieht sich als Dienstleister und kann den Vereinen so noch besser helfen", betonte Waldinger.
Bedenken äußerten die Vereinsvertreter über längere Fahrten im Jugendbereich. "Die wird es bei den jüngeren Jahrgängen nicht geben. So werden Bambinis weiter in ihren Städten spielen. Und wenn A- oder B-Juniorenteams, von denen es bekanntlich immer weniger gibt, sich mit anderen Städten messen, kann man auch von einer besseren Qualität sprechen", sagte Waldinger. Völlig offen sei indes noch, welche Auswirkungen die Reform auf die Spielklassen im Seniorenbereich habe. Der weitere Fahrplan bis zur Reform: Im April findet eine weitere Tagung des Beirats statt. Es folgen Regio-Konferenzen. Die endgültige Entscheidung fällt dann auf einem außerordentlichen Verbandstag.
Interview der Woche: Mit dem Kreisvorsitzenden Henning Weber
- 27.01.2011 -
Das Interview führte Peter Kuhlendahl
Wenn die Strukturrefom durchgesetzt wird, ist der Fußballkreis Remscheid bekanntlich Geschichte. Der Kreisvorsitzende Henning Weber nimmt dazu Stellung.
- Im vergangenen Sommer haben Sie bei der Arbeitstagung der Vereine im Kreis 14 noch einmal betont, dass Sie für den Erhalt des Kreises kämpfen würden. Ein halbes Jahr später scheint der Kampf aussichtslos. Ist das eine Niederlage?
Henning Weber: Nein. Vor einem halben Jahr ging es darum, dass der Fußballkreis Remscheid als kleinster Kreis einfach geschluckt werden sollte. Jetzt gibt es Veränderungen in allen Kreisen. Damit muss und kann man leben.
- Warum muss die Strukturrefom umgesetzt werden?
Henning Weber: Weil der Fußballverband Niederrhein sonst nicht mehr zukunftsfähig aufgestellt ist. Eine Konzentration ist sehr wichtig. Das ist ein Frage des gesunden Menschenverstands. Es gibt immer weniger Mannschaften. Und gerade für die kleinen Vereine wird die Struktur Vorteile mit sich bringen. Im übrigen stellen sich die Verbände in ganz Deutschland um und haben zum größten Teil positive Erfahrungen gemacht.
- Der Zusammenschluss von Remscheid, Solingen und Wuppertal scheint beschlossen. Das ist ein gravierender Schnitt . . .
Henning Weber: Das kann man so oder so sehen. Die Einschnitte in anderen Kreisen sind gravierender. Im Kern bleibt der Kreis 14 zusammen. Das ist sehr wichtig.
- Vereine am südlichen Rand des Kreises wie Wermelskirchen, Hilgen oder Burscheid schielen ein wenig zum Mittelrhein.
Der Solinger Kreisvorsitzende Georg Schubert möchte beispielsweise, dass Leichlingen und Monheim mit in den Kreis kommen. Das dürfte noch einen munteren Verschiebebahnhof geben, oder? Henning Weber: Es gibt immer Wünsche und Härtefälle. Ich bin sicher, dass zu 97 Prozent die Mitglieder des neuen Kreises feststehen. Und denen, die zum Mittelrhein blicken, sei mit auf den Weg gegeben, dass dann immense Entfernungen auf sie zukommen. Sie sollten mal in Wipperfürth nachfragen. Die sind vor Jahren diesen Weg gegangen.
- Wieviele Vereine werden zum neuen Kreis gehören?
Henning Weber: Das dürften rund 90 Vereine sein. Wenn man die Kreise derzeit zusammenzählt, kommt man auf mehr. Einige Vereine aus dem Wuppertaler Kreis sollen in den Kreis Düsseldorf/Mettmann. 80 oder 90 Vereine sind die ideale Größe. Daran sieht man, wie gut wir aufgestellt sein werden.
Im Kreis Bottrop/Dinslaken/Oberhausen sollen 190 Vereine zusammengeschlossen werden.
- Als am Wochenende die ersten Infos bekannt wurden, ist schnell Kritik laut geworden, dass die Fahren gerade für Jugendteams sehr weit werden könnten . . .
Henning Weber: Das sollten wir doch erst einmal abwarten.
Eine Findungskommission wird über die Spielklassenreformen beraten. Wir wissen doch noch gar nicht, ob wir beispielsweise zwei, drei oder vier Kreisligen A haben werden. Außerdem kann man sich bald viele Fahrten sparen, da man organisatorische Dinge wie bei Spielerpässen im Internet erledigen kann.
- Befürchtungen gibt es auch, dass das Kreisjugendheim Am Hagen in Zukunft seine Pforten schließen muss. Sehen Sie diese Gefahr, wenn die Kreise zusammengelegt werden?
Henning Weber: Nein, mit Sicherheit nicht. Meiner Meinung nach ist das Heim der ideale Standort für die Arbeit des neuen Kreises. Von der geographischen Lage ist es genau in der Mitte des Städtedreiecks beheimatet. Es gibt im Gegensatz zu den Standorten in Solingen und Wuppertal Parkplätze, einen Saal und jede Menge auch technisch gut ausgestattete Räume für die Spruchkammer und die Staffelleiter. Die Arbeit kann dort sofort aufgenommen werden. Und entscheidend ist, dass für den Fußball-Verband keine weiteren Kosten entstehen.
- Umstellungen gibt es nicht nur für die Vereine, sondern auch für die Funktionäre. Wie sieht da die Zukunft aus?
Henning Weber: Auch da muss sich keiner Sorgen machen.
Jeder, der weiter mitarbeiten will, kann weiter mitarbeiten.
Natürlich wird der eine oder andere aus den unterschiedlichsten Gründen dann aufhören.
- In Remscheid, Solingen und Wuppertal gibt es jeweils eine Spruchkammer mit sechs Beisitzern. 18 Leute werden aber nicht mehr gebraucht . . .
Henning Weber: Natürlich nicht. Aber es gibt viele andere Arbeitsbereiche. Die Arbeit wird nicht weniger. Im Gegenteil. Und da ist jeder willkommen, der etwas tun will.
- Derzeit gibt es natürlich auch drei Kreisvorsitzende. Zwei sind in Zukunft überflüssig . . .
Henning Weber: Auch da wird es eine Regelung geben. Und die drei bisherigen Vorsitzenden werden gleichberechtigt arbeiten.
- Schmerzt es Sie eigentlich, dass in Ihrer letzten Amtsperiode als Vorsitzender der Kreis abgewickelt wird?
Henning Weber: Nein. Ich bin froh, dass ich an vorderster Front mit dabei bin und Einfluss darauf habe, dass der Kreis
14 entsprechend auch in Zukunft repräsentiert wird. Ich hoffe, dass ich nach einem Jahr meine Aufgaben in die geschulten Hände eines Nachfolger geben kann. Daran arbeite ich derzeit.
- ZUR PERSON:
Henning Weber wurde am 5. März 1945 in Wermelskirchen geboren. Der Rentner hat weiter engen Kontakt in seine Heimatstadt, lebt mit seiner Lebensgefährtin mittlerweile aber in Bonn. Seit 1995 ist er Vorsitzender des Fußballkreises Remscheid. Zuvor war es als Funktionär beim SV 09 Wermelskirchen und als Schatzmeister beim Fußball-Verband Niederrhein tätig.
Bergischer Fußballkreis
- RP-online vom 23.01.2011 -
Am Wochenende wurde in einer Klausursitzung des Beirats des Fußballverbandes Niederrhein die Strukturreform vorgestellt. Demnach sollen ab 2013 die Kreise Remscheid, Solingen und Wuppertal zusammengefasst werden.
Acht neue Kreise
Statt der bisherigen 14 Kreise will sich der FVN ab 2013 nur noch aus acht Kreisen zusammensetzen. Die sollen wie folgt aussehen:
- Kreis 1: Düsseldorf/Mettmann
- Kreis 2: Mönchengladbach/Viersen
- Kreis 3: Krefeld/Neuss
- Kreis 4: Moers/Kleve
- Kreis 5: Wesel/Bocholt/Dinslaken
- Kreis 6: Duisburg/Oberhausen
- Kreis 7: Essen/Bottrop
- Kreis 8: Wuppertal/Solingen/Remscheid.
Ab der Saison 2013/2014 ist der Fußballkreis Remscheid wohl Geschichte. Dann soll der Dachverband der Kicker aus der Region im Rahmen einer Strukturreform mit den Kreisen Solingen und Wuppertal zusammengelegt werden. Insgesamt sollen nach dem Willen des Fußballverbandes Niederrhein aus den bisher 14 Kreisen acht neue geformt werden. Das ist das Ergebnis einer Strukturreform, die dem FVN-Beirat am Wochenende bei einer Tagung vorgestellt wurde.
Unter dem Strich bleibt keiner der bisherigen 14 Fußballkreise im FVN in seinen aktuellen Grenzen bestehen. Auch nicht der Kreis Remscheid. Die bevorstehende Zusammenlegung mit den Kreisen Solingen und Wuppertal wollte der Remscheider Vorsitzende Henning Weber auf Nachfrage der BM nicht bestätigen, er dementierte allerdings auch nicht.
Bei einem Empfang in Solingen erklärte FVN-Präsidiumsmitglied Hans-Peter van Hauten, dass die Grundlage der geplanten Strukturreform Vorgaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) seien. Danach soll ein Kreis zwischen 90 und 100 Vereine und rund 1000 Mannschaften haben. Derzeit gehören dem FVN 738 Vereine an, die am Spielbetrieb teilnehmen. "Also war für uns die Grundlage, die bisher 14 Kreise auf acht zu reduzieren", erläuterte van Hauten.
Van Hauten betonte zugleich eindringlich die Notwendigkeit der Reform. Ansonsten befürchtet das Präsidiumsmitglied, dass der Verband mit den derzeitigen Strukturen nicht mehr zukunftsfähig aufgestellt ist: "Wir sind in einer prekären Situation."
Kein Weggang zum Mittelrhein
Henning Weber will sich in jedem Fall dafür einsetzen, dass die Vereinslandschaft wie bisher bestehen bleibt: "Ich bin dafür, dass die Klubs aus Wermelskirchen, Burscheid, Hilgen oder Hückeswagen bei uns bleiben und nicht in den Fußballverband Mittelrhein gehen", sagt Weber. Ebenso sei ihm wichtig, dass der Kreis in der Strukturreform seinen Stellenwert behält: "Wir werden uns nicht unterbuttern lassen", betont Weber.
Kommt es zum Zusammengehen mit Solingen und Wuppertal, könnte sich Weber durchaus vorstellen, dass Remscheid die Schaltstelle des Bergischen Fußballkreises bildet. Zwar können auch Solingen und Wuppertal auf ein Kreisjugendheim verweisen. Remscheid würde aber geografisch in der Mitte des neuen Gebildes liegen. Zudem weist das Jugendheim Am Hagen alle nötigen räumlichen und technischen Ausstattungen auf, um von hier aus den Spielbetrieb zu steuern.
Dass die Reform 2013 umgesetzt werden kann, daran hegt Weber kaum Zweifel: "Es gab im Vorfeld der Tagung Bedenken, aber man muss sagen, dass die Planung vernünftig ist." Entsprechend wenig Kritik habe es an der Reform gegeben, die nun in weiteren Gremien beraten wird. Bei den Kreistagen und dem Verbandstag 2013 soll bereits nach den neuen Strukturen gewählt werden.