Streitthema

"Entsetzt" von Schreibers Sparideen

VON BRIGITTE NEUSCHÄFER

Zutiefst verärgert hat der Geschäftsführer des RSV 09, Frank Höbler, zur Kenntnis genommen, was Horst Schreiber am Montagabend bei der Hauptversammlung der Christdemokraten als Beitrag zur Diskussion in den Raum gestellt hatte: Frank Höbler ist verärgert über CDU-Fraktionschef Schreiber. BM-Foto: Kö (Archiv)

Denkbar sei, so meinte Schreiber als CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, die für dieses Jahr eingeplanten 80 000 Euro für die Instandsetzung des Umkleidegebäudes am Sportplatz zu kürzen und 50 000 Euro von dieser Summe für die Finanzierung des NRW-Tages zu nutzen (die BM berichtete gestern). Die Sanierung der Umkleiden an der Schnabelsmühle laufe ohnehin weitgehend in Eigenleistung des RSV 09.

"Ich bin entsetzt", kommentierte das gestern auf Anfrage der BM RSV-Geschäftsführer Frank Höbler. Allerdings betonte er, das dies seine ganz persönliche Meinung sei. Mit dem übrigen Vorstand des Traditionsvereins habe er darüber noch nicht gesprochen.
Bei der Umkleide am Sportplatz handele es sich um ein in die Jahre gekommenes und entsprechend marodes städtisches Gebäude, stellte Frank Höbler klar. "Und das wird nicht nur von unseren Fußballern genutzt, sondern auch von anderen Vereinen und von den Kindern, die ihren Schulsport an der Schnabelsmühle betreiben", so Höbler weiter. Der gedankliche Ansatz, die dringend notwendige Renovierung des Gebäudes auf den RSV zu übertragen, bezeichnete Frank Höbler als "geradezu abenteuerlich." Seine rhetorische Frage: "Sollen demnächst auch die Schüler in Hückeswagen ihre Klassenzimmer selbst anstreichen, wenn ein neuer Anstrich notwendig wird?" Der RSV-Geschäftsführer verweist im Übrigen darauf, dass schon in der Neugestaltung des Kunstrasenplatzes an der Schnabelsmühle sehr viel Eigenleistung des RSV und des Hückeswagener Sports insgesamt stecke: "Unser langjähriges Mitglied Karl-Heinz Breidenbach hat die Pläne dafür gemacht, um nur ein Beispiel zu nennen."

Generell sei es so, dass in den Vereinen der Stadt Jugendarbeit geleistet werde, deren Wert gar nicht hoch genug eingeschätzt werden könne. Nun ausgerechnet an den Vereinen sparen und sie stärker belasten zu wollen, sei kontraproduktiv "und lässt das Gespür für soziale Verantwortung vermissen".


Liste: "Nicht auf dem Rücken des Sports"

VON BRIGITTE NEUSCHÄFER

Bei der Sanierung der Umkleiden am Sportplatz sparen und das eingesparte Geld für den NRW-Tag 2013 nutzen: Ob Horst Schreiber bei dieser Idee die eigene Fraktion hinter sich hat, ist nicht bekannt – die CDU hat sich nach wie vor nicht dazu erklärt.

Sicher ist aber: Die Listenverbindung von SPD, FDP, Grünen und UWG, und damit die politische Mehrheit im Stadtrat, lehnt den Vorschlag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Schreiber ab. Das hat die Liste gestern in einer von SPD-Fraktionschef Hans-Jürgen Grasemann unterzeichneten gemeinsamen Erklärung klargestellt.

Unmissverständlich ist die Überschrift dieser Erklärung: "Die Finanzierung dieses Prestigeobjekts wird nicht auf dem Rücken des Sports ausgetragen!" Mit "Prestigeobjekt" ist der NRW-Tag 2013 in Hückeswagen gemeint. Auch die Listenverbindung will dieses Großereignis, wie aus der Erklärung ersichtlich wird.

Darin heißt es: "Der NRW-Tag ist für Hückeswagen sicher eine fantastische Möglichkeit, sich zu präsentieren und den Bekanntheitsgrad enorm zu steigern, mit hoffentlich positiven Auswirkungen auf Tourismus und Wohn-attraktivität." Auch Vereine und Bürger sollten sich da einbringen. Ebenso klar ist für die Liste jedoch, dass die Finanzierung des NRW-Tages nicht zu Lasten des Sports gehen darf.
Grasemann schreibt: "Notwendige Investitionen und Finanzzusagen, gerade für die Vereine, dürfen und werden nicht darunter leiden." Die Liste sehe da "nach wie vor einen allgemeinen Konsens im Rat der Stadt". Was wohl heißt: SPD, FDP, Grüne und UWG gehen davon aus, dass die CDU ihre Meinung teilt und es sich bei dem Vorschlag von Horst Schreiber um dessen persönliche Meinung, losgelöst von der Haltung seiner Fraktion, handelt.

Zur Finanzierung des NRW-Tages verweist Grasemann darauf, dass sich Bürgermeister und Ratsfraktionen im Vorfeld einig waren, "dass die Finanzierung nicht über den Haushalt, sondern in erster Linie über Sachleistungen und Sponsoring" laufen soll. Grasemanns Versprechen: "An dieser Aussage halten wir unverrückbar fest."


Sport fragt: Wo geht's lang, CDU?

VON BRIGITTE NEUSCHÄFER

Für die Sanierung der Umkleiden am Sportplatz gedachtes städtisches Geld einsparen und diese Summe stattdessen für die Ausrichtung des NRW-Tages 2013 in Hückeswagen zurücklegen: Fraktionschef Horst Schreiber hatte diese Idee am Montag in der CDU-Hauptversammlung zur Diskussion gestellt – und sich damit den Hückeswagener Sport zum Gegner gemacht. Nach RSV-Geschäftsführer Frank Höbler hat gestern auch der Vorsitzende des Stadtsportverbandes, Jürgen Löwy, reagiert – ebenso empört wie Höbler. Die Kernaussage der Erklärung, die Löwy für den Stadtsportverband abgibt: "Die Vorleistungen des Sports und der Sportvereine sind groß genug, um dafür Anerkennung, aber auch finanzielle Unterstützung zu bekommen." Der Sport in Hückeswagen werde auch in Zukunft seine soziale und gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. "Die Idee des Herrn Schreiber ist da kontraproduktiv", schreibt Löwy. Der SSV-Vorsitzende stellt klar, dass der Sportplatz und die darauf stehenden Gebäude Eigentum der Stadt sind. Für sie verwaltet der SSV den Sportplatz seit inzwischen 15 Jahren. Die daraus resultierende Ersparnis für die Stadt summiere sich auf 350 000 Euro. Löwy verweist aber auch darauf, dass die Hälfte der im SSV als Dachverband organisierten örtlichen Sportvereine eigene Hallen und Anlagen unterhält und "so zu einer sportlichen Infrastruktur beiträgt, die die Stadt allein nicht aufbieten könnte".Noch ein Erinnerungsposten: Es war der Sport, der das operative Geschäft im Bürgerbad übernommen und auch dadurch erhebliche Einsparungen für die Stadt ermöglicht hat. Ohne ihn hätte das einzige Hallenbad in Hückeswagen geschlossen werden müssen. Auch der Bau der Turnhalle in Wiehagen sei zur Sache des Sports, konkret der Rehabilitations- und Behindertensportgemeinschaft geworden. Löwy: "Unterstützung von der Politik? Fehlanzeige!" Der SSV-Vorsitzende verweist überdies auf die aktive Jugendarbeit der Vereine, auf das nur durch sie ermöglichte Altstadtfest und die Imagewerbung für Hückeswagen durch Leistungssport-Teams. Die Stadt habe mit dem SSV einen "Pakt für den Sport" geschlossen. Löwy fragt: "Will die CDU diesen Pakt kündigen?"
Im Vorfeld des NRW-Tages und beim Großereignis selbst werde der Ruf nach den Sportvereinen wieder kommen, ist Löwy sich ganz sicher – und nennt konkrete Beispiele dafür. Die Schlussfolgerung in der SSV-Erklärung klingt bitter: "Alles das wird von den Politikern gerne in Anspruch genommen. Zum Dank dafür dürfen die Vereine dann städtische Gebäude selbst sanieren. Quo vadis, CDU?"

 


Kommentar: Partei unter Erklärungszwang

BRIGITTE NEUSCHÄFER

Horst Schreiber hatte eine Idee. Die hat er offen und öffentlich geäußert. Das muss sowohl dem Privatmann als auch dem Fraktionsvorsitzenden erlaubt sein. Egal, ob sie gefällt oder nicht. Entscheidend: Sie ist die Meinung eines Einzelnen – bisher. Da der Chef der größten Fraktion im Rat der Stadt aber nun nicht irgendwer ist, setzt Schreibers Meinungsäußerung die Partei in die Pflicht: Sie muss sich erklären, ob sie in dieser Sache ihrem Fraktionsvorsitzenden folgt oder nicht. Denn die Betroffenen haben ein Recht zu erfahren, ob sie sich für die Diskussion mit einem CDU-Mann oder für den Kampf mit der CDU insgesamt wappnen müssen. Die öffentliche Erklärung der Partei sollte schleunigst folgen – nicht nur, aber auch mit Blick auf die Landtagswahl. Die Sanierung der Umkleide am Sportplatz hat mit landespolitischen Themen rein gar nichts zu tun , dennoch: Den Wahl-Sonntag im Mai wird so mancher als nächstliegende Möglichkeit der Abrechnung sehen. Noch hat die CDU mit ihrem Mann Peter Biesenbach den Favoriten im Rennen.